Feste Zähne an einem Tag: vier oder sechs Implantate?

Wissen · Implantologie

Unterschiede, Auswahl und Vorgehen bei festsitzender Sofortversorgung auf vier oder sechs Implantaten

Fachlich verantwortet und medizinisch geprüft von Dr. med. dent. Reza Hakimi M.Sc., Fachzahnarzt für Oralchirurgie mit Master of Science in Implantologie, Praxis Dr. Hakimi + Kollegen, Berlin. Stand: November 2026.

Kurzantwort

Bei festen Zähnen an einem Tag wird ein zahnloser oder bald zahnloser Kiefer auf vier oder auf sechs Implantaten mit einer festsitzenden, verschraubten Brücke versorgt, die noch am Tag der Implantation eingesetzt wird. Vier Implantate kommen vor allem in Frage, wenn das Knochenangebot im hinteren Kiefer begrenzt ist und ein Knochenaufbau vermieden werden soll. Sechs Implantate verteilen die Kaukräfte auf mehr Pfeiler und werden bevorzugt, wenn genug Knochen vorhanden ist, im Oberkiefer, bei Zähneknirschen, bei starkem Gegenbiss oder bei erhöhtem Risiko. In Studien sind die Überlebensraten beider Varianten hoch und statistisch vergleichbar. Welche Variante passt, entscheidet die dreidimensionale Planung im Einzelfall.

Was „feste Zähne an einem Tag“ bedeutet

Feste Zähne an einem Tag bezeichnet die Sofortversorgung eines ganzen Kiefers: Nicht erhaltungswürdige Zähne werden entfernt, die Implantate werden gesetzt und noch am selben Tag wird eine provisorische Brücke fest auf den Implantaten verschraubt. Die Patientin oder der Patient verlässt die Praxis mit festsitzenden Zähnen statt mit einer herausnehmbaren Übergangsprothese. Nach der Einheilphase wird die provisorische Brücke durch die endgültige ersetzt.

Voraussetzung für die Sofortbelastung ist eine ausreichende Primärstabilität jedes Implantats, also ein fester Sitz direkt beim Einsetzen. Der Konsensus des International Team for Implantology (ITI) bewertet die Sofortbelastung mit festsitzenden Provisorien im zahnlosen Ober- und Unterkiefer als ebenso vorhersagbar wie die frühe oder konventionelle Belastung und nennt die Primärstabilität als entscheidende Bedingung.

Vorgehen mit vier Implantaten

Beim Vorgehen mit vier Implantaten werden zwei Implantate im vorderen Kieferbereich gerade gesetzt. Die beiden hinteren Implantate werden schräg nach hinten geneigt eingebracht und über abgewinkelte Aufbauten prothetisch ausgeglichen. Durch die Neigung erreichen die hinteren Implantate mehr vorhandenen Knochen und können im Oberkiefer an der Kieferhöhle und im Unterkiefer am Unterkiefernerv vorbeigeführt werden. Dadurch lässt sich ein Knochenaufbau in vielen Fällen vermeiden.

  • Typischer Einsatz: begrenztes Knochenangebot im Seitenzahnbereich, Wunsch nach möglichst wenigen Eingriffen
  • Besonderheit: Die Brücke reicht mit einem kurzen Freiendglied über das letzte Implantat hinaus
  • Zu beachten: Fällt ein Implantat aus, kann die Brücke meist erst nach dessen Ersatz wieder getragen werden

Vorgehen mit sechs Implantaten

Beim Vorgehen mit sechs Implantaten werden die Implantate gleichmäßiger über den Kieferbogen verteilt, in der Regel vier im vorderen und mittleren Bereich und zwei weiter hinten, je nach Knochenangebot gerade oder geneigt. Mehr Pfeiler bedeuten eine breitere Abstützung der Brücke und kürzere oder keine Freiendglieder.

  • Typischer Einsatz: ausreichendes Knochenangebot, Oberkiefer mit weicherer Knochenstruktur, hohe Kaukräfte
  • Besonderheit: Die Last verteilt sich auf mehr Implantate
  • Zu beachten: Fällt ein Implantat aus, bleiben häufig genug Pfeiler, um die Brücke weiter zu tragen

Vier und sechs Implantate im direkten Vergleich

MerkmalVier ImplantateSechs Implantate
Anordnungzwei vorne gerade, zwei hinten geneigtüber den Kieferbogen verteilt
Knochenangebotauch bei reduziertem Knochen im Seitenzahnbereichsetzt mehr Knochen voraus
Häufigster EinsatzUnterkiefer, schmaler OberkieferOberkiefer, hohe Kaubelastung
Abstützung der Brückevier Pfeiler, kurzes Freiendgliedsechs Pfeiler, kürzeres oder kein Freiendglied
Bei Verlust eines ImplantatsBrücke meist erst nach Ersatz wieder tragfähigBrücke häufig weiter tragfähig
Aufwand und Kostengeringerhöher, zwei Implantate mehr
Studienlagehohe Überlebensratenhohe Überlebensraten, weniger Knochenabbau im Oberkiefer

Wie die Entscheidung zwischen vier und sechs Implantaten fällt

Die Zahl der Implantate richtet sich nicht nach einem festen Schema, sondern nach dem prothetischen Ziel, der Form des Kieferbogens und dem vorhandenen Knochen. In die Planung fließen vor allem diese Punkte ein:

  • Knochenhöhe, Knochenbreite und Knochenqualität, gemessen in der dreidimensionalen Röntgenaufnahme (DVT)
  • Ober- oder Unterkiefer: Der Oberkiefer hat meist weicheren Knochen und wird häufiger auf sechs Implantaten versorgt
  • Gegenkiefer: Eigene Zähne oder festsitzender Zahnersatz im Gegenkiefer erzeugen höhere Kaukräfte
  • Zähneknirschen und Pressen
  • Rauchen, Allgemeinerkrankungen und Medikamente
  • Primärstabilität der Implantate am Behandlungstag
  • Ästhetisches Ziel, etwa eine Brücke, die nur die Zahnkronen ersetzt, oder eine Brücke mit zahnfleischfarbenem Anteil
  • Wünsche und finanzieller Rahmen der Patientin oder des Patienten

Eine Auswertung von 217 Patientinnen und Patienten mit bis zu 13 Jahren Beobachtung fand insgesamt keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen vier und sechs Implantaten, beschrieb sechs Implantate aber als vorhersagbarer bei älteren Patienten, Rauchern, Zähneknirschen, eigenen Zähnen im Gegenkiefer, langen Freiendgliedern und geringer Knochendichte.

So läuft die Behandlung in der Praxis Dr. Hakimi + Kollegen ab

  1. Erstberatung und Diagnostik. Untersuchung, dreidimensionale Röntgenaufnahme (DVT) und Intraoralscan in der Praxis. Auf dieser Grundlage wird besprochen, ob vier oder sechs Implantate sinnvoll sind.
  2. Digitale Planung. Position, Neigung und Verteilung der Implantate werden am Computer von der späteren Brücke aus geplant. Das zahntechnische Labor fertigt die provisorische Brücke vorab.
  3. Geführte Implantation. Die Implantate werden über eine gedruckte Bohrschablone gesetzt, wo möglich direkt nach der Zahnentfernung. Die Behandlung erfolgt in örtlicher Betäubung, auf Wunsch im Dämmerschlaf, und dauert drei bis sechs Stunden pro Kiefer.
  4. Feste Brücke am selben Tag. Noch am Behandlungstag wird eine provisorische Brücke aus Kunststoff (PMMA) fest auf den Implantaten verschraubt.
  5. Einheilung. In den folgenden drei bis sechs Monaten verwachsen die Implantate mit dem Knochen. In dieser Zeit finden Kontrolltermine statt, Form und Funktion der Brücke werden am Provisorium erprobt.
  6. Endgültige Brücke. Die erprobte Form wird in die endgültige Brücke übertragen, in der Regel aus monolithischem Zirkonoxid, verschraubt und damit für Kontrollen abnehmbar.
  7. Nachsorge. Regelmäßige Kontrollen und professionelle Reinigung der Implantate.

Die Praxis arbeitet mit Implantatsystemen von Camlog, Straumann, ZimVie und JDentalCare. Als Fachzahnarzt für Oralchirurgie führt Dr. Hakimi einen eventuell nötigen Knochenaufbau oder Sinuslift selbst durch.

Was die Studienlage sagt

  • Eine Metaanalyse von 53 Studien zum zahnlosen Oberkiefer (Sharaf und Kollegen, 2024) fand keine signifikanten Unterschiede bei Implantat- und Brückenüberleben zwischen vier und sechs Implantaten (Implantate 98,5 Prozent gegenüber 97,0 Prozent, Brücken 99,8 Prozent gegenüber 99,6 Prozent, mittlere Beobachtung 3,8 Jahre). Der Knochenabbau um die Implantate war mit vier Implantaten signifikant größer (1,02 mm gegenüber 0,46 mm).
  • Eine systematische Übersicht für die Konsensuskonferenz des ITI (Daudt Polido und Kollegen, 2018) fand für festsitzende Brücken im zahnlosen Kiefer keinen signifikanten Unterschied zwischen weniger als fünf und fünf oder mehr Implantaten.
  • Eine randomisierte Studie mit 40 Patientinnen und Patienten (Tallarico und Kollegen, 2016) verglich vier und sechs sofort belastete, schablonengeführt gesetzte Implantate im Oberkiefer über fünf Jahre.
  • Die deutsche S3 Leitlinie zur implantatprothetischen Versorgung des zahnlosen Oberkiefers (DGI und DGZMK, Stand November 2020) hält eine festsitzende Versorgung auf vier Implantaten für möglich, beschreibt sie aber als techniksensitiv mit hohem Anspruch an Aufklärung und Planung.

Kosten

Feste Zähne an einem Tag kosten in der Praxis Dr. Hakimi + Kollegen ab 8.000 Euro pro Kiefer. Der Betrag hängt unter anderem davon ab, ob vier oder sechs Implantate gesetzt werden, ob Zähne entfernt oder Knochen aufgebaut werden muss und aus welchem Material die endgültige Brücke besteht. Nach der Erstberatung gibt es einen schriftlichen Heil- und Kostenplan. Gesetzlich Versicherte erhalten einen Festzuschuss für den Zahnersatz, eine Ratenzahlung ist über BFS health finance oder Care Capital möglich.

Häufige Fragen

Halten vier Implantate genauso lange wie sechs?

In Studien sind die Überlebensraten von Implantaten und Brücken bei vier und bei sechs Implantaten hoch und statistisch vergleichbar. Mit sechs Implantaten wurde im Oberkiefer weniger Knochenabbau gemessen. Wie lange eine Versorgung hält, hängt außerdem von Mundhygiene, Nachsorge, Rauchen und Allgemeingesundheit ab.

Kann ich mir aussuchen, ob ich vier oder sechs Implantate bekomme?

Ihre Wünsche fließen in die Planung ein. Ob beide Varianten möglich sind, zeigt erst die dreidimensionale Röntgenaufnahme. Reicht der Knochen für sechs Implantate nicht, sind vier geneigte Implantate oft die Alternative zum Knochenaufbau.

Warum werden im Oberkiefer häufiger sechs Implantate gesetzt?

Der Knochen im Oberkiefer ist meist weicher als im Unterkiefer, und die Kieferhöhle begrenzt das Knochenangebot im hinteren Bereich. Mehr Implantate verteilen die Kaukräfte auf mehr Pfeiler.

Was passiert, wenn ein Implantat nicht einheilt?

Das Implantat wird entfernt und nach Ausheilung ersetzt. Bei sechs Implantaten kann die Brücke in vielen Fällen auf den übrigen Implantaten weiter getragen werden, bei vier Implantaten ist sie meist erst nach dem Ersatz wieder voll belastbar.

Ist ein Knochenaufbau nötig?

Durch geneigte Implantate lässt sich ein Knochenaufbau in vielen Fällen vermeiden. Ob er bei Ihnen nötig ist, zeigt die 3D Planung. Ein gleichzeitiger umfangreicher Knochenaufbau spricht eher gegen eine Sofortbelastung am selben Tag.

Wann bekomme ich die endgültigen Zähne?

Nach einer Einheilzeit von drei bis sechs Monaten wird die provisorische Brücke durch die endgültige ersetzt, in der Regel aus monolithischem Zirkonoxid.

Quellen

  1. Sharaf MA, Wang S, Mashrah MA, Xu Y, Haider O, He F. Outcomes that may affect implant and prosthesis survival and complications in maxillary fixed prosthesis supported by four or six implants: A systematic review and meta-analysis. Heliyon 2024;10(3):e24365. doi.org/10.1016/j.heliyon.2024.e24365
  2. Daudt Polido W, Aghaloo T, Emmett TW, Taylor TD, Morton D. Number of implants placed for complete-arch fixed prostheses: A systematic review and meta-analysis. Clin Oral Implants Res 2018;29(Suppl 16):154–183. doi.org/10.1111/clr.13312
  3. Comparison of 4- or 6-implant supported immediate full-arch fixed prostheses: A retrospective cohort study of 217 patients followed up for 3–13 years. Clin Implant Dent Relat Res 2023;25(2):381–397. doi.org/10.1111/cid.13170
  4. Tallarico M et al. Five-year results of a randomized controlled trial comparing patients rehabilitated with immediately loaded maxillary cross-arch fixed dental prosthesis supported by four or six implants placed using guided surgery. Clin Implant Dent Relat Res 2016;18(5):965–972. doi.org/10.1111/cid.12380
  5. DGI, DGZMK. S3 Leitlinie Implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Oberkiefers, AWMF Registernummer 083-010, Stand November 2020. register.awmf.org
  6. International Team for Implantology. Consensus Statements: Loading Protocols for Fixed Prostheses in Edentulous Jaws. iti.org

Dieser Beitrag informiert allgemein über Behandlungsverfahren und ersetzt keine Untersuchung und Beratung. Ob und in welcher Form eine Behandlung für Sie in Frage kommt, kann nur nach einer individuellen Untersuchung beurteilt werden.

Dr. Hakimi + Kollegen
Zahnmedizin, Oralchirurgie und Implantologie
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